dena-Jahreskonferenz „energie.effizient.mobil“

Er
gänzend zur Präsentation der am 22. Juni den ersten Testfahrern in Berlin übergebenen
Mini E, der Vattenfall-Ladesäule sowie einiger Gasfahrzeuge zeigt der bsm,
Bundesverband Solare Mobilität, auch hier wieder die heute bereits auf dem deutschen
Markt verfügbaren Elektrofahrzeuge. Die Palette reicht von den E-Zweirädern EL-BIKE,
InnoScooter, EVT-Scooter und Vectrix sowie dem E-Crosser Quantya und dem Segway
über die bekannten und bewährten 3-rädrigen Fahrzeuge TWIKE und City-EL bis hin zum
indischen Leicht-E-Mobil REVA und dem neuen Klein-E-LKW EcoCarrier.
Die Konferenz thematisiert die Optionen einer effizienten Mobilität und setzt den
Schwerpunkt hierbei nicht nur im PKW Bereich, sondern auch im Güter- sowie Luftverkehr.
In der politischen Eröffnung betonte der Parlamentarische Staatssekretär des BMUBS
Ludger Daldrup auch die Notwendigkeit, notwendige Veränderungen in der Stadt- und
Strukturplanung frühzeitig zu berücksichtigen.
Prof. Dr. Uwe Lahl vom BMU betonte die Notwendigkeit einer "energie.effizienten"
Mobilität aufgrund des zunehmend erkennbaren Klimawandels und sieht die Halbierung
der Verkehrsemissionen bis 2020 als zwingend an.
Prof. Dr. Ottmar Edenhofer vom PIK, Potsdam Institut für Klimafolgeforschung unterstrich
dies mit drastischen Szenarien zur Erderwärmung und zeigte den Zusammenhang
zwischen Vermögensentwicklung und Kohlenstoffschuld auf. Prof. Edenhofer betonte
weiterhin deutlich, dass das 2°C-Ziel nur mit drastischen Schritten zu erreichen sei. Um
eine Erwärmung der Weltdurchschnittstemperatur um max. 2°C nicht zu überschreiten,
müsste es in den Industrienationen eine Emissionsreduktion von 80% (!) bis 2020 geben.
Heutige Szenarien prognostizieren jedoch tendenziell eine mittlere Erwärmung um bis zu
6°C, was eine Reihe von nicht reversiblen "Kippschaltern" für das Klima umlegen würde.
Er schlägt für die Klimakonferenz in Kopenhagen die Schaffung einer Klimazentralbank mit
einem festen globalen Grenzwert vor.
Thomic Ruschmeyer, Vorstandsvorsitzender des bsm, nimmt diese Prognosen ernst.
"Das Gute ist, dass wir im Grunde seit Jahren schon die Lösung haben, zumindest im
Bereich der individuellen Mobilität" so Ruschmeyer. „Die kleinen Hersteller machen heute
schon vor, wie es geht: leicht und effizient. Der elektrische Antrieb ermöglicht heute schon
die direkte Verwendung von regenerativen Energien in der Mobilität Ein TWIKE oder ein
City-EL brauchen als heute kaufbare Kleinserienfahrzeuge z.B. etwa 5 kWh / 100 km. Das
ist nicht nur erfreulich, weil es die Gesamtkostenbilanz der Fahrzeuge in einen guten
Bereich bringt, sondern ermöglicht auch den rein regenerativen Betrieb. Wird ein TWIKE
z.B. 10.000 km im Jahr gefahren, so reicht eine 8 qm große Photovoltaik Anlage locker,
um die gesamte benötigte Energie hierfür zu erzeugen. Auch wenn nicht jeder das eigene
Dach für die Solaranlage zur Verfügung hat, zeigt die Größenordnung doch, das rein
regenerative Mobilität möglich ist.“
Ruschmeyer wünscht sich, dass die etablierten Hersteller den Mut aufbringen, schneller
diese notwendigen Wege zu gehen. Doch für ihn geht es nicht nur um die Frage, ob
Deutschland es schafft, sich als Leitmarkt für Elektromobilität zu platzieren. Für ihn ist es
vielmehr eine von vielen Fragen des grundsätzlich richtigen Handelns, welches unsere
Zukunft noch viel elementarer bestimmen wird.
"Wir sehen an den Erfolgen der heutigen Kleinserienfahrzeugen, dass der Verbraucher
gewillt ist, neuen Wege zu gehen." So Ruschmeyer auf dem Vorplatz des Kosmos, dem
Veranstaltungsort der Konferenz, während ein elektrischer Roller und ein Segway sich
leise um uns herum bewegen, von Konferenzteilnehmern getestet. Eine Besonderheit der
Elektromobilität ist ja, dass sie nicht nur vernünftig ist, sondern auch noch Spaß macht"
sagt er, während der den Testfahrern lächelnd nach schaut und nachher in der
Mittagspause selbst auf einem Vectrix-Scooter seine Runden auf dem Vorplatz dreht,
ebenfalls lächelnd.
Der zweite Tag stand Vormittags begann mit dem Bericht über die dena-Medienanlyse
über die mangelhaften CO2-Angaben und deren Gewichtung in der Automobilwerbung.
Anschließen berichtete Dr. Konrad Götz vom ISOE über das beginnende Ende vom Ideal
der „RennReiseLimosine“ und dem Aufstreben neuer Ideale beider Mobilität, nicht mehr
das Status behaftete Auto, sondern der Wunsch nach individueller und problemloser
Mobilität werden in der Sozialforschung als neuer Trend wahrgenommen. Auch gewinnt in
den Großstädten das Zweirad in Form des (E)-Bike und (E-)Scootern immer mehr an
Bedeutung, weil es von den „automobilen Belastungen“, wie Stau und Parkplatzsuche
befreit und, in Kombination mit dem ÜPNV mehr individuelle Beweglichkeit ermöglicht.
Der neue Trend heißt: „4S - sicher, sauber, schnell, sustainable“, diesen haben jedoch die
(noch) zuständigen Werbeagenturen der Automobil-Industrie noch nicht erkannt und
können dies nicht für diese neuen Zielgruppen adäquat umsetzen.
Hierzu ergänzend berichtete Prof. Dr. Hermann Knoflacher sehr anschaulich, dass der
Stau kein Verkehrsproblem ist, sondern die Struktur von Stadt- und Straßenbau in den
letzten Jahrzehnten das Auto in der westlichen Welt zum Verkehrsmittel der 1. Wahl
gemacht hat und damit strukturelle Veränderungen manifestiert hat.
Hierbei hat sich gezeigt, dass der Versuch der Geschwindigkeitserhöhung KEINERLEI
Zeitersparnis bringt, denn die Mobilitätszeit ist eher eine Konstante und damit werden die
Wege länger, denn die Siedlungen und Einkaufszentren wandern nach außen.
Zu viel Stau kann aber sehr gut die PKW-Fahrten reduzieren, weil es schlicht wieder zu
lange dauert und damit der ÖPNV wieder attraktiv wird.
Beim Autofahren ist zu beachten, dass der Mensch auf seine max. Laufgeschwindigkeit
von ca. 35km/H ausgelegt ist und seine Wahrnehmung eigentlich eher für noch geringere
Geschwindigkeiten trainiert.
Eigentlich ein gutes Argument für ein Tempolimit und eine gute Erklärung für die Situation
auf den Straßen, meinte ein Teilnehmer später bei der Podiumsdiskussion.
Auf dieser abschließenden Podiumsdiskussion wurden die wichtigsten, sozialen
Erkenntnis noch einmal zusammengefasst und heraus gestellte, dass das Auto, je dichter
an der Wohnung immer dominanter (weil verlockender) wird und insbesondere den
Platzbedarf vor der Tür erhöht, also den eigentlichen Lebensraum des Menschen
beansprucht. Prof. Knoflacher zeigte den Test, ob man Autofahrer oder Mensch ist, in
dem er vorschlug, den PKW-Parkplatz mal als Spielplatz zu okkupieren und dann die
Reaktion des heimkommenden „Autofahrer/Menschen“ zu beobachten. Der Autofahrer
wird den Platz räumen, der Mensch wird „mitspielen“.
Zusammengefasst diktieren jedoch die Autostrukturen dass Leben im öffentlichen
Straßenraum und die weiteren geplanten Maßnahmen im Rahmen der Konjunkturpaketes
II manifestieren dies, sind aber angesichts vom drohenden PeakOil und vor allem dem
IPCC-Klimabericht eher als totale Fehlinvestitionen zu betrachten und lenken in die
falsche Richtung. Es gilt vielmehr das Auto als gesellschaftliches Symbol für die veralteten
Machtstrukturen abzulösen und den neuen Herausforderungen und Entwicklungen zum
Wunsch zur neuen „4S-Mobilität“ gerecht zu werden.
Neben der Politik mit der Schaffung der entsprechenden Rahmenbedingungen sind hier
auch insbesondere die Fachmedien und auch Werbeagenturen der Autoindustrie
gefordert, andere Erwartungshaltungen und neue Werte als Ziele zu setzen und z.B. mal
einen positiven Testbericht vom ÖPNV, oder CarSharing zu machen.
Alles in allem wurde auf der dena-Jahreskonferenz das Thema „energie-effiziente
Mobilität“ einmal unter neuen Blickwinkeln betrachtet und mit den Preisverleihungen zu
„Best Practice im Mobilitätsmanagement am Abend des 1. Tages entsprechende Signal